Was hinter einem Magen-Darm-Infekt stecken kann
Akute Gastroenteritis ist meist viraler Genese. Norovirus, Rotavirus und Adenovirus sind in Berlin die häufigsten Erreger, gefolgt von bakteriellen Ursachen wie Campylobacter, Salmonellen, Yersinien oder bei Auslandsaufenthalten enterotoxigene E. coli. Parasitäre Ursachen wie Giardia treten bei Reiserückkehrern aus Süd- und Südostasien auf.
Lebensmittelvergiftungen durch Toxine etwa von Staphylococcus aureus oder Bacillus cereus zeigen typischerweise sehr schnellen Beginn (innerhalb von Stunden nach der Mahlzeit) und kürzere Verläufe. Pseudomembranöse Kolitis durch Clostridioides difficile gehört nach Antibiotikatherapie zu den wichtigen Differenzialdiagnosen.
Nicht jeder Bauchschmerz mit Durchfall ist eine Gastroenteritis. Akute Appendizitis, Divertikulitis, Cholezystitis, Pankreatitis, Ileus, Mesenterialischämie und gastrointestinale Blutungen müssen klinisch ausgeschlossen werden. Diese Triage ist der entscheidende Mehrwert eines Facharzt-Hausbesuchs gegenüber telefonischer Beratung.
Was beim Hausbesuch konkret passiert
Der RAB-Facharzt nimmt eine ausführliche Anamnese auf: Beginn, Frequenz und Beschaffenheit von Stuhl und Erbrechen, Bauchschmerzen, Fieber, Reiseanamnese, gemeinsame Mahlzeiten, Medikamente, Schwangerschaft und Vorerkrankungen. Bei Auslandsrückkehrern aus Risikogebieten denken wir auch an Hepatitis A, Salmonellose und Cholera-Differentialdiagnosen.
Klinisch untersuchen wir den Bauch in allen vier Quadranten, prüfen Abwehrspannung und Loslassschmerz, auskultieren die Darmgeräusche, beurteilen Hautturgor und Schleimhäute, kontrollieren Blutdruck, Puls und Temperatur. Bei Verdacht auf gastrointestinale Blutung wird die rektale Untersuchung diskutiert.
Schnelltests vor Ort umfassen Urin-Stix, gegebenenfalls Blutzucker (besonders bei Diabetikern unter Insulin), und – falls aus klinischer Sicht hilfreich – ein CRP-Schnelltest. Bei schwerer Dehydratation oder Verdacht auf akutes Abdomen organisieren wir Klinikeinweisung.
Therapie: Rehydratation steht im Mittelpunkt
Die wichtigste Maßnahme bei viraler Gastroenteritis ist die orale Rehydratation. Wir empfehlen orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke oder selbst angesetzt: 1 Liter Wasser, 4 gestrichene Teelöffel Zucker, ein halber Teelöffel Salz. Tee, Brühe und stilles Wasser ergänzen, gemieden werden hyperosmolare Getränke wie Cola pur oder Säfte.
Antiemetika wie Ondansetron können bei starkem Erbrechen die orale Aufnahme ermöglichen. Loperamid kommt nur bei nicht-fiebrigem, nicht-blutigem Durchfall nach Reise und nach ärztlicher Empfehlung infrage. Antibiotika sind bei viraler Gastroenteritis kontraindiziert; sie helfen nur bei bestimmten bakteriellen Verläufen, etwa schwerer Salmonellose bei Risikopatienten.
Bei nicht ausreichender oraler Rehydratation – etwa bei anhaltendem Erbrechen – kann eine intravenöse Infusion vor Ort erforderlich werden. Wir entscheiden anhand des klinischen Bildes und können bei Bedarf zur Privatpraxis Reiche überweisen oder die Krankenhauseinweisung organisieren.
Warnzeichen und wann die Klinik nötig wird
Blut im Stuhl oder Erbrochenen, anhaltend hohes Fieber über 39 Grad, starke einseitige Bauchschmerzen, harte Bauchdecke, Kollapsneigung oder Bewusstseinstrübung sind Warnzeichen, die häufig eine Klinikabklärung erfordern. Bei Schwangeren senken wir die Schwelle deutlich; eine Gynäkologie-Notaufnahme wie Charité Campus Mitte oder Vivantes Friedrichshain kann sinnvoller sein.
Säuglinge und Kleinkinder verlieren proportional schneller Wasser als Erwachsene. Tränenarmut, eingesunkene Augen, trockene Schleimhäute und reduzierte Aktivität sind Alarmzeichen, die eine Vorstellung in einer Berliner Kinderklinik erfordern – DRK Westend, Charité Campus Virchow oder Helios Berlin-Buch.
Senioren mit chronischen Erkrankungen sind ebenfalls besonders gefährdet, insbesondere unter ACE-Hemmern, Diuretika oder Metformin. Hier organisieren wir bei klinischen Hinweisen auf akute Niereninsuffizienz oder Elektrolytentgleisung zeitnah Klinikeinweisung.
Hygiene, Isolation, Wiedereingliederung
Magen-Darm-Erreger sind hochansteckend, besonders Norovirus. Wir empfehlen häusliche Isolation für mindestens 48 Stunden nach dem letzten Erbrechen oder Durchfall, getrennte Handtücher, häufiges Händewaschen mit Seife (alkoholische Desinfektion ist gegen Norovirus weniger wirksam) und gründliche Reinigung sanitärer Räume.
Lebensmittelhandel, Gastronomie, Pflege und Kindergarten sind in Berlin meldepflichtige Tätigkeiten nach Infektionsschutzgesetz. Wir klären über die geltenden Wiederaufnahme-Regeln auf und stellen entsprechende Atteste aus.
Die schrittweise Kost-Wiedereingliederung beginnt mit gut verträglichen Speisen: Zwieback, Reis, Banane, Apfelmus, fettarme Brühe. Milchprodukte werden in den ersten Tagen oft schlecht vertragen. Bei Verschlechterung in dieser Phase ist eine Wiedervorstellung sinnvoll, telefonisch unter +49 30 550 77 870.