112, 116117, Privatarzt: drei Systeme, drei Aufgaben
Deutschland hat ein dreigliedriges System der außerklinischen Akutversorgung. Die 112 alarmiert Rettungswagen, Notfallsanitäter und – bei lebensbedrohlicher Indikation – den Notarzt. Sie ist zuständig für Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Atemnot, Anaphylaxie, Krampfanfälle, Polytrauma und alle weiteren Zustände, in denen jede Minute zählt.
Die 116117 ist die bundesweite Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes. Sie ist zuständig für gesetzlich Versicherte mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb von Praxiszeiten. Wartezeiten in Berlin können je nach Wochentag mehrere Stunden betragen.
Die privatärztliche Versorgung – RAB unter +49 30 550 77 870 – ist die dritte Säule. Sie richtet sich an Privatpatienten, Beihilfeberechtigte, Selbstzahler, Hotelgäste und Expats, die akut Hilfe brauchen, aber nicht ins Krankenhaus müssen. Die Trennung dieser drei Systeme ist nicht akademisch, sondern lebenswichtig.
Wann Sie unbedingt 112 wählen müssen
Bei plötzlich einsetzendem starkem Brustschmerz mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, bei akuter Atemnot, bei Bewusstseinstrübung, bei einseitiger Lähmung oder Sprachstörung, bei schwerem Trauma, bei anaphylaktischen Reaktionen mit Atemnot, bei Krampfanfällen und bei stark blutenden Verletzungen ist die einzig richtige Nummer 112.
Die Berliner Feuerwehr hält rund um die Uhr ein dichtes Netz an Rettungsmitteln vor, mit Eintreffzeiten typischerweise unter zehn Minuten. Kein privater Hausbesuchsdienst – auch RAB nicht – kann mit diesem System in lebensbedrohlichen Situationen konkurrieren, und wir würden den Versuch auch nie unternehmen.
Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie zuerst 112. Die Leitstelle führt die strukturierte Notrufabfrage durch und entscheidet, ob Rettungsmittel erforderlich sind. Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel 112 als einmal zu wenig.
Wann ein privater Facharzt-Besuch die bessere Wahl ist
Hohes Fieber ohne Atemnot, eitrige Mandelentzündung, akute Gastroenteritis ohne Schockzeichen, Harnwegsinfekt mit Flankenschmerz, akute Migräne, Bluthochdruck-Entgleisung ohne neurologische Ausfälle, Hexenschuss, fieberhafter Infekt beim älteren Patienten, akute Bronchitis – das sind klassische Indikationen für einen privatärztlichen Hausbesuch.
Vorteil: Sie warten nicht in der Notaufnahme zwischen Patienten mit Polytrauma oder STEMI-Verdacht. Sie liegen in Ihrem Bett, werden vom Facharzt untersucht, erhalten Therapie, Rezept und gegebenenfalls Krankschreibung. Die Ankunftszeit liegt in zentralen Berliner Bezirken bei 60 bis 90 Minuten – langsamer als die 112, aber schneller als der durchschnittliche kassenärztliche Bereitschaftsdienst.
Diese Konstellation ist kein Ersatz für den Rettungsdienst, sondern eine Entlastung: Notaufnahmen können sich auf wirklich kritische Fälle konzentrieren, wenn Patienten mit ambulant beherrschbaren Beschwerden zuhause versorgt werden.
Wie RAB triagiert und entscheidet
Jeder Anruf beginnt mit einer strukturierten Symptomerfassung. Die Disposition fragt nach Hauptbeschwerde, Beginn, Verlauf, Begleitsymptomen, Vorerkrankungen und Medikamenten. Bei jeder roten Flagge – etwa Brustschmerz mit vegetativer Symptomatik, neurologischen Ausfällen oder Atemnot – verweisen wir konsequent an 112.
Wenn die Schilderung mit einer ambulanten Versorgung vereinbar ist, übernimmt der nächste verfügbare Facharzt den Auftrag. In zweifelhaften Fällen ruft der Arzt vor dem Eintreffen zur klinischen Telefonkonsultation zurück. Diese ärztliche Vor-Triage ist eine wichtige Sicherheitsschleife.
Trifft der Arzt vor Ort an, untersucht er den Patienten gemäß den AWMF-Leitlinien für akute Versorgung. Stellt er fest, dass die Beschwerden doch eine Klinik erfordern, organisiert er den Transport – entweder über 112 bei Eskalation oder über einen privaten Krankentransport bei stabilem Patienten.
Berliner Realität: Wartezeiten, Notaufnahmen, Druck
Berliner Notaufnahmen sind chronisch überlastet. Charité Campus Mitte, Vivantes Friedrichshain, DRK Westend, Helios Buch – alle melden regelmäßig Aufnahmestopps. Wartezeiten von vier bis sieben Stunden für nicht-kritische Fälle sind keine Ausnahme, sondern Regel. Privatpatienten profitieren davon im Wartezimmer nicht.
Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst 116117 ist eine wichtige Säule, aber in Berlin häufig überlastet. Hausbesuche durch den Bereitschaftsdienst sind möglich, aber Wartezeiten von sechs bis zwölf Stunden in Spitzenzeiten kommen vor.
Vor diesem Hintergrund ist ein privater Facharzt-Hausbesuch nicht Luxus, sondern Versorgungsentlastung – wenn er korrekt angewendet wird und die Triage ehrlich bleibt.