Die wichtigsten Kopfschmerzformen unterscheiden
Migräne ist gekennzeichnet durch einseitige, pulsierende Kopfschmerzen mittlerer bis starker Intensität, oft mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bewegung verschlimmert. Manche Patienten erleben eine Aura – Sehstörungen, Gefühlsstörungen, sehr selten Lähmungen –, die der Schmerzphase vorausgeht.
Spannungskopfschmerz ist beidseitig, dumpf-drückend, leicht bis mittelschwer, oft tagsüber zunehmend, ohne Übelkeit. Er wird durch Bewegung meist nicht verschlimmert. Auslöser sind häufig Stress, Schlafmangel, Nackenverspannungen, Bildschirmarbeit.
Cluster-Kopfschmerz ist selten, aber sehr charakteristisch: streng einseitig im Augen- und Schläfenbereich, extrem stark, mit Tränen, Naselaufen und Rötung des Auges. Attacken dauern 15 bis 180 Minuten und treten meist über Wochen täglich auf. Diese Patienten gehören in fachärztliche neurologische Betreuung.
Red Flags – wann der Kopfschmerz Notfall ist
Plötzlicher, vernichtender Kopfschmerz – Donnerschlag-Kopfschmerz – ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Subarachnoidalblutung. Hier zählt jede Minute, 112 ist die einzig richtige Antwort. Auch ein Kopfschmerz mit neurologischen Ausfällen wie Lähmung, Sprachstörung, einseitiger Sehverlust ist Notfall (Verdacht Schlaganfall).
Fieber mit Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit und schwerem Krankheitsgefühl ist Meningitis-Verdacht. Bei dieser Konstellation ist die schnelle stationäre Diagnostik mit Liquorpunktion und Bildgebung erforderlich. Auch ein neu aufgetretener Kopfschmerz nach dem 50. Lebensjahr verdient sorgfältige Diagnostik.
Weitere Warnzeichen: Kopfschmerz, der sich anhaltend verschlimmert; Kopfschmerz mit Krampfanfall; Kopfschmerz mit Bewusstseinsstörung; Kopfschmerz nach Trauma; Kopfschmerz bei Immunsuppression oder bei aktiven Tumorpatienten. In diesen Fällen ist eine schnelle Klinikabklärung sinnvoll.
Was wir beim Hausbesuch konkret tun
Wir beginnen mit einer strukturierten Anamnese: Beginn, Charakter, Lokalisation, Intensität, Begleitsymptome, Auslöser, Häufigkeit, Medikamenteneinnahme. Ein roter Faden ist das Erkennen von Red Flags – darauf legen wir besonderen Wert.
Die neurologische Untersuchung umfasst Bewusstseinslage, Pupillen, Hirnnervenstatus, Sensibilität und Motorik der Extremitäten, Koordinationsprüfung, Meningismus-Prüfung, Blutdruck und Puls. Bei Auffälligkeiten organisieren wir CT oder MRT in einer Berliner Klinik oder Radiologie-Privatpraxis.
Bei klassischer Migräne oder Spannungskopfschmerz reicht die klinische Diagnose. Wir besprechen die akute Therapie, geben gegebenenfalls Bedarfsmedikation, beraten zu Triggerfaktoren und stellen ein Privatrezept aus. Bei wiederholten Attacken vermitteln wir die ambulante neurologische Anschluss-Diagnostik.
Akuttherapie und Bedarfsmedikation
Bei Migräne-Attacken stehen Triptane wie Sumatriptan, Rizatriptan oder Zolmitriptan im Vordergrund. Sie sind besonders wirksam, wenn sie früh in der Attacke eingenommen werden. Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon ergänzen die Therapie bei Übelkeit. NSAR wie Ibuprofen oder Naproxen sind ebenfalls wirksam und werden oft kombiniert.
Bei Spannungskopfschmerz reichen meist Paracetamol 1000 mg oder Ibuprofen 400 bis 600 mg. Wichtig ist die Begrenzung der Einnahme auf maximal 10 bis 15 Tage pro Monat, weil häufige Schmerzmittel-Einnahme den medikamenten-induzierten Kopfschmerz auslösen kann.
Bei Cluster-Kopfschmerz ist Sauerstoff über Maske (12–15 Liter/min für 15 Minuten) und subkutanes Sumatriptan die Akut-Therapie. Wir können vor Ort beraten, aber die fachärztliche neurologische Betreuung ist hier essenziell, weil eine Prophylaxe mit Verapamil oder anderen Substanzen erforderlich sein kann.
Prophylaxe und Lebensstil
Bei häufigen Migräne-Attacken (≥4 pro Monat oder bei schwerer Belastung) ist eine Prophylaxe sinnvoll. Erste Wahl sind häufig Beta-Blocker wie Metoprolol oder Propranolol, alternativ Topiramat oder Flunarizin. Bei therapierefraktären Verläufen sind CGRP-Antikörper (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab) eine moderne Option, deren Einleitung in fachärztlicher Hand erfolgt.
Bei Spannungskopfschmerz steht der nicht-pharmakologische Ansatz im Vordergrund: regelmäßige Bewegung, Stressmanagement, Schlafhygiene, ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Physiotherapie. Diese Maßnahmen wirken oft besser als jede Tablette und sind langfristig nebenwirkungsarm.
Beim ersten Hausbesuch besprechen wir die Lebensstil-Faktoren ausführlich und vermitteln auf Wunsch den Kontakt zu Berliner Physiotherapeuten, Osteopathen oder zur Privatpraxis Reiche für die Langzeitbegleitung. Eine medikamentöse Prophylaxe wird in der Regel in fachärztlicher neurologischer Hand initiiert.